Zugfahren - (M)eine Hassliebe

Zugfahren und ich – in den letzten Jahren hat sich da ein merkwürdiges Verhältnis entwickelt. Ich hasse Zugfahren, aber ich liebe es auch. Warum, das habe ich euch hier mal erklärt…
Warum ich Zugfahren hasse….
Der einfachste Grund sind wohl die Verspätungen. Ich kann mich außer ein, zwei Fahrten nicht daran erinnern, dass ich je keine Verspätung hatte, als ich mit der Bahn unterwegs war. Die Gründe dafür waren schon sehr unterschiedlich. Klar, ist es rückblickend ganz unterhaltsam, was man schon alles erlebt hat, aber wenn man gerade mal wieder im Zug festhängt ist es natürlich unglaublich nervig.

-        Störungen im Betriebsablauf : immer wenn diese Durchsage kommt, bin ich gleich genervt. Was soll denn das bitte schon wieder sein? Natürlich gibt es in jedem Betrieb mal Probleme, aber das kann man doch wohl etwas klarer formulieren! Ich glaube das ist wohl der geläufigste Grund für Zugverspätungen und ich habe auch schon regelmäßig davon profitieren können...

-       Zug fällt aus : dann natürlich an dem kleinsten Bahnhof, der bei mir in der Nähe ist, bei Sonne und 30 Grad und ohne Schatten. Da freut man sich immer über die Bahn, genauso, wie wenn man unbedingt pünktlich irgendwo sein muss und der Zug dann plötzlich nicht fährt.

-       Wetterprobleme : da hatte ich auch schon zwei verschiedene Sachen. Natürlich kann da die Bahn selbst nichts für, aber trotzdem ist das ein Grund, warum ich Zugfahren hasse, weil es im Auto nicht passiert. Einmal war ein Baum auf den Gleisen, zu Glück wurde nur noch abtransportiert und es ging schnell weiter, aber Verspätung hatte ich natürlich trotzdem. Und das beste: wusstet ihr, dass Züge bei Gewitter manchmal anhalten? Ich jedenfalls nicht, bis ich es selbst erlebt habe. Wegen Blitz-Gefahr stand ich dann mitten im Nirgendwo und nichts hat sich bewegt, bis das Gewitter vorbeigezogen war.

-       Ärztlicher Notfall : ich wünsche wirklich niemandem, im Zug ärztliche Hilfe zu benötigen. Zum einen ist das natürlich sowieso nicht schön, einen Arzt zu brauchen und dann kann sich das meist auch um Stunden handeln, insbesondere, wenn kein ordentlicher Bahnhof in der Nähe ist. Dass man selbst dann im warmen Abteil total überhitzt, ist für die Bahn dann eher zweitrangig. Immerhin war das das einzige Mal, dass ich eine Entschädigung anfordern durfte!

-       Polizeieinsatz : Unterlüß ist ein ziemlich kleiner Bahnhof, da ist nichts los, und plötzlich kommen drei Polizisten in dicken, kugelsicheren Westen unter ihren signalgelben Jacken mit einem Zugbegleiter über den Bahnsteig und steigen in den Zug ein. Dann die Durchsage, dass ein Polizeieinsatz im Zug stattfindet. Das fand ich besonders schlimm. Nicht wegen der Verspätung, sondern wegen dieser Ungewissheit. Nur ein Abteil weiter sind die Polizisten reingegangen und ich hatte keine Ahnung, ob es nur ein Schwarzfahrer, ein Betrunkener oder ein Attentäter war. Das war wirklich nicht schön…

Neben den Verspätungen hat das Bahnfahren natürlich noch einige andere Nachteile, die mir überhaupt keinen Spaß machen.
-        Der Ticketpreis : wusstet ihr, dass die Tickets, je später man sie bucht, teurer werden? Ich jedenfalls nicht, bis ich es selbst schmerzlich erfahren musste. Seitdem buche ich schon länger im Voraus oder fahre mit Wochenend- oder Verbundtickets.
-         Die Leute : ob es das schreiende Baby ist, wenn man schlafen will oder die zwei Typen, die sich laut unterhalten. Was den Lärm angeht, ist das im Zug oft besonders nervig. Besonders blöd ist es auch, wenn vor dir übel riechende Leute, neben dir Betrunkene oder Leute mit großem Gesprächsbedarf sitzen. Zum Glück kann man manchmal einfach aussteigen und ein Abteil weiter wieder einsteigen ;)

Jetzt habe ich hier die ganzen Nachteile aufgezählt, muss aber erwähnen, dass ich mindestens einmal die Woche mit der Bahn unterwegs bin. Da überwiegen dann oft die Vorteile.

Warum ich Zugfahren liebe:

-       Lesen und Lernen : im Gegensatz zum z.B. Fernbus geht das in der Bahn richtig gut. Manchmal nehme ich mir auch mit Absicht nur Lernzeug mit, weil ich mich in der Bahn dann zwangsläufig darauf konzentrieren muss. Wenn ich nämlich nur Lernsachen dabei habe, würde ich mich, wenn ich nicht lernen würde, ziemlich langweilen.

-       Schlafen : wenn ich alleine reise, schlafe ich nie im Zug, weil man nie weiß, was da noch für Leute rumlaufen. Mit mehreren Personen, ist es aber schon mal ganz schön, einfach mal zu dösen. Klar geht das im Fernbus auch, aber es ist nunmal auch ein Vorteil der Bahn.

-        Rumlaufen : wenn ich stundenlang Zugfahre, muss ich zwischendurch aufstehen und mich bewegen. Dann laufe ich die Gänge auf und ab und gucke mir den Zug an. Das ist für mich nicht nur unterhaltsam, sondern auch einfach wichtig, weil ich mehr als 3 Stunden am Stück sitzen ziemlich nervig finde.
-        Zeitvertreib : das soll jetzt nicht heißen, dass ich Bahn fahre, weil ich Langeweile habe, sondern eher, dass die Zeit im Zug schnell rumgeht. Im Zug kann ich die Landschaft beobachten, mir die Leute im Abteil anschauen oder, wie schon erwähnt, einfach schlafen. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, geht das nicht. Zwar ist das schneller, aber keinesfalls entspannter!

-       Leute : natürlich gibt es in der Bahn oft Leute, die ich lieber nicht getroffen hätte, aber es tritt auch oft das Gegenteil ein. Ist es nur ein Rentner, mit dem ich mich nett über Studieren unterhalten habe, oder auch Freunde, mit denen ich gemeinsam über sechs Stunden unterwegs war. Das ist in der Bahn einfach schön zusammen. Und sei es auch nur jemand, der hilft, den Koffer auf die Gepäckablage zu legen, ist das auch schön. Es gibt heutzutage so viele unfreundliche Menschen, da ist es schön, im Zug auch das Gegenteil zu erleben.

-        Zuverlässig : jaja, jetzt kommt das Verspätungsargument, was ich selbst ausführlich beschrieben habe. ABER beim Zugfahren hat man, wenn es keine Probleme gibt, wirklich eine Zuverlässigkeit, dass man ziemlich pünktlich und sicher am Ziel ankommt. Nur Fliegen ist sicherer als Zugfahren und weil das im Inland ja nicht wirklich sinnvoll ist, ist Zugfahren was das angeht eine gute Alternative.

-        Umweltfreundlich : wie wohl alle öffentlichen Verkehrsmittel ist auch das Bahnfahren umweltfreundlich. Wie das im Vergleich zu den anderen ist, weiß ich gar nicht, aber trotzdem fand ich es wichtig, erwähnt zu haben ;)


Ihr seht schon, ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Zugfahren mag, oder nicht. Es hat sich bei mir auf den vielen Fahrten eine Hassliebe entwickelt, die zurzeit aber sogar eher eine positive Einstellung ist.
Wie seht ihr das? Fahrt ihr gerne mit der Bahn?

Eure Sophie